Adrien - Mittwoch 20 Mai 2026

🔬 Was man für die ältesten Tiere der Erde hielt... sind keine Tiere

Das Ediacarium, eine Ära, die vor etwa 540 Millionen Jahren endete, gilt als Vorspiel zur kambrischen Explosion, einer Zeit der rasanten Artenvielfalt. Bislang wurden einige Fossilien dieser Epoche kleinen wirbellosen Tieren, der Meiofauna, zugeordnet. Doch neueste Analysen deuten darauf hin, dass die Ozeane dieser Zeit noch zu sauerstoffarm waren, um solche Tiere zu beherbergen.


Mit bloßem Auge sichtbare Fossilien von Bakterien oder Algen, entdeckt in einem alten Meeresboden, der im heutigen brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul zutage tritt.
Quelle: Bruno Becker-Kerber/Harvard University

Um dieses Rätsel zu lösen, nutzten die Forscher modernste Techniken wie Mikrotomographie und Nanotomographie mit dem MOGNO-Strahl des Synchrotrons Sirius in Brasilien. Diese Methoden offenbarten in den Fossilien erhaltene Zellstrukturen mit Wänden und sogar organischem Material, die typisch für Mikroorganismen sind. Die Raman-Spektroskopie bestätigte das Vorhandensein organischer Verbindungen in den Zellwänden und untermauerte damit die Hypothese mikrobieller Überreste.

Die untersuchten Fossilien stammen aus der geologischen Formation Tamengo im Mato Grosso do Sul. Ihre vielfältigen Formen – gewundene Filamente, konkave oder konvexe Kammern – entsprechen verschiedenen Arten von Bakterien und Algen. Einige Exemplare enthielten Pyrit, ein Mineral aus Eisen und Schwefel, was auf das Vorhandensein von Schwefelbakterien hindeutet, die in sauerstoffarmen Umgebungen leben können.



Diese Ergebnisse verändern das Verständnis der kambrischen Explosion. Wenn die ältesten tierischen Spuren tatsächlich aus dem Kambrium stammen, bedeutet dies, dass der Sauerstoffgehalt im Ediacarium noch nicht ausreichte, um die Meiofauna zu erhalten. Wissenschaftler müssen daher die Bedingungen, die die Entstehung tierischen Lebens ermöglichten, neu bewerten.

Die Forscher stellen klar, dass diese Fossilien nicht bloße Spuren von Tieren sind, sondern die Überreste riesiger mikrobieller Gemeinschaften. Diese Entdeckung lädt dazu ein, die fossilen Belege für die Anfänge des tierischen Lebens zu überdenken und ebnet den Weg für neue Untersuchungen der Umweltbedingungen vor dem Kambrium.

In einer separaten Studie identifizierte dasselbe Team das möglicherweise älteste Flechtenfossil, ebenfalls im Mato Grosso do Sul entdeckt.

Quelle: Gondwana Research
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