Adrien - Sonntag 19 April 2026

🌍 Vor dem "Ursprung" hatte bereits ein seltsames, strukturiertes Urleben die Erde erobert

Komplexes Leben könnte auf der Erde viel älter sein als bisher angenommen.

Ein Forscherteam hat in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas eine Fossilienfundstätte entdeckt, wo über siebenhundert Exemplare gesammelt wurden, die 554 bis 539 Millionen Jahre alt sind. Diese Fossilien aus der Jiangchuan-Biota offenbaren ein erstaunlich vielfältiges Ökosystem mit neuen Arten und Organismen, die man bisher für die Kambrium-Periode reserviert hielt.

Die Anwesenheit von Deuterostomen – einer Gruppe, die die modernen Wirbeltiere umfasst – unter diesen Überresten deutet auf einen älteren Ursprung dieser Tiere hin. Noch älter als das, was gemeinhin als Ursprung komplexen Lebens auf der Erde gilt und normalerweise als "Kambrische Explosion" bezeichnet wird.


Rekonstruktion der Jiangchuan-Biota (vor etwa 554-539 Millionen Jahren).
Bildnachweis: Xiaodong Wang


Die Exemplare umfassen alte Verwandte von Seesternen und Würmern und zeigen fortschrittliche Ernährungsanpassungen und ungewöhnliche Körperformen. Einige Fossilien weisen Tentakel, Stiele und Strukturen auf, die zu keiner bekannten Art passen, was auf eine Übergangsgemeinschaft zwischen der Ediacarium- und der Kambrium-Periode hindeutet. Diese Vielfalt hilft, eine Lücke in der Evolutionsgeschichte zu schließen, und bestätigt, dass hochentwickelte Tiere bereits vor der Kambrischen Explosion gediehen.

Die außergewöhnliche Erhaltung dieser Fossilien als Kohlenstofffilme ermöglicht die Beobachtung feiner anatomischer Details wie Verdauungssysteme und bewegliche Strukturen. Im Gegensatz zu typischen Ediacarium-Fundstätten, wo Organismen nur als einfache Abdrücke vorliegen, bietet die Erhaltung an diesem Ort, ähnlich der des Burgess-Schiefers, einen Einblick in die Biologie. Laut den Wissenschaftlern könnte diese extrem seltene Erhaltung erklären, warum solche Tiere bisher nicht entdeckt wurden.

Diese Entdeckung ist das Ergebnis von fast zehn Jahren Feldarbeit, die von Forschern der Universität Yunnan und Oxford durchgeführt wurde. Die in Science veröffentlichten Ergebnisse liefern starke Belege für eine frühere Diversifizierung der Tiere als erwartet.


Ein Deuterostom-Cambroerniden-Fossil aus der Jiangchuan-Biota (vor etwa 554-539 Millionen Jahren) und seine künstlerische Rekonstruktion, Maßstab: 2 mm.
Bildnachweis: Gaorong Li & Xiaodong Wang

Die Implikationen dieser Fossilien reichen über die reine Chronologie hinaus und erklären, wie sich die Tiergemeinschaften im späten Ediacarium entwickelt haben. Dieser Fortschritt eröffnet neue Wege der Forschung zu den Mechanismen, die zur Entstehung komplexen Lebens auf der Erde führten.

Die Ediacarium-Periode und ihre Ökosysteme


Die Ediacarium-Periode, die sich von etwa 635 bis 541 Millionen Jahren vor unserer Zeitrechnung erstreckt, ist eine geologische Ära, die oft als von einfachen Organismen dominiert angesehen wird. Sie geht direkt der Kambrischen Explosion voraus, einem Ereignis, das durch das rasche Auftreten vieler Tiere mit fortgeschrittener biologischer Organisation gekennzeichnet ist. Lange Zeit waren Fossilien aus dieser Zeit hauptsächlich verschwommene Abdrücke im Gestein, was die Identifizierung der Lebensformen erschwerte.

Die Ökosysteme des Ediacariums waren durch Kreaturen mit seltsamen Morphologien wie Rangeomorpha und Tribrachiida gekennzeichnet, die keinem modernen Tier ähneln. Diese Organismen lebten am Meeresboden festgewachsen, filterten Nährstoffe oder fingen Nahrung mit spezialisierten Strukturen. Ihre Lebensweise und Biologie bleiben unter Paläontologen umstritten.


Ein Haootia-ähnliches Fossil (ein alter Cnidarier – der Stamm, der Quallen, Seeanemonen und Korallen umfasst) aus der Jiangchuan-Biota (vor etwa 554-539 Millionen Jahren). Maßstab: 2 mm.
Bildnachweis: Gaorong Li

Das Verständnis des Ediacariums hilft zu begreifen, wie Umweltbedingungen wie Sauerstoffgehalt oder Klimaveränderungen die Evolution beeinflusst haben.

Quelle: Science
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