Waldbrände schleudern gewaltige Rauchwolken in den Himmel, doch in ihren Ausdünstungen verbirgt sich eine viel heimtückischere Gefahr: bodennahes Ozon. Dieser sekundäre Schadstoff, mit bloßem Auge völlig unsichtbar, verursacht jedes Jahr Tausende von Todesfällen in den USA, ohne dass die breite Öffentlichkeit das Ausmaß des Phänomens erfasst.
Im Gegensatz zu Feinstaubpartikeln (PM2,5), die direkt von den Flammen ausgestoßen werden, entsteht Ozon sekundär. Wenn die aus dem Brand stammenden flüchtigen organischen Verbindungen und Stickoxide mit Sonnenlicht reagieren, erzeugen sie dieses Gas, das Lungen und Herz reizt. Laut Minghao Qiu, Forscher an der Stony Brook University, blieb dieses Ozon lange Zeit im Schatten der Gesundheitsstudien.
Durch die Auswertung von 20 Jahren Satellitendaten und Bodenmessungen konnten die Wissenschaftler die gesundheitlichen Auswirkungen dieses brandbedingten Ozons abschätzen. Ergebnis: Im Durchschnitt sind in den USA jährlich 2.045 zusätzliche Todesfälle darauf zurückzuführen.
Bestimmte Regionen sind besonders betroffen. Die Südstaaten wie Texas, Louisiana, Arkansas, Mississippi und Florida sammeln bei Rauchperioden mehr Ozon an. Diese zusätzliche Verschmutzung zehrt an den Fortschritten, die durch den Clean Air Act erzielt wurden, der die Ozonsterblichkeit in den letzten Jahrzehnten gesenkt hatte.
Die Forscher wissen, dass der Rauch von Bränden auch Schwermetalle wie Blei oder aromatische Kohlenwasserstoffe enthält. Zu verstehen, wie diese Substanzen zusammen auf die Gesundheit wirken, bleibt eine Herausforderung. Minghao Qiu und sein Team bereiten bereits ergänzende Studien vor, aber die bundesstaatlichen Budgetkürzungen bedrohen diese Forschung. Die NASA und die NOAA, die die wesentlichen Daten liefern, riskieren, mehr als ein Drittel ihrer Wissenschaftsbudgets zu verlieren.
Quelle: Science Advances