Adrien - Donnerstag 26 Februar 2026

🧠 Stimmt es, dass wir nur 10 % unseres Gehirns nutzen?

Die Vorstellung, dass der Mensch nur 10 % seines Gehirns nutzt, ist weit verbreitet. Sie taucht regelmäßig in Selbsthilfebüchern, Filmen oder populären Diskussionen auf. Diese Behauptung besagt, dass ein enormes Reservoir an geistigen Fähigkeiten ungenutzt bleiben würde.

Neurowissenschaftler betrachten sie heute als einen Neuromythos, wie das McGovern Institute for Brain Research des MIT erklärt.


Das menschliche Gehirn ist ein äußerst aktives Organ. Selbst im Ruhezustand arbeiten viele Gehirnregionen gleichzeitig, um die lebenswichtigen Funktionen aufrechtzuerhalten, Sinnesinformationen zu verarbeiten und die Aktivität des Körpers zu regulieren. Moderne bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) oder die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ermöglichen es, die Aktivität des Gehirns in Echtzeit zu beobachten. Diese Beobachtungen der Gehirnbildgebung zeigen, dass sich je nach ausgeführter Aufgabe unterschiedliche Bereiche aktivieren, was der Idee widerspricht, dass ein großer Teil des Gehirns inaktiv bleiben würde.


Die Neurowissenschaften weisen darauf hin, dass fast alle Bereiche des Gehirns eine präzise Funktion erfüllen. Einige Regionen sind am Sehen beteiligt, andere an der Sprache, dem Gedächtnis oder der Steuerung von Bewegungen. Selbst wenn man eine einfache Aufgabe ausführt, kooperieren mehrere neuronale Netzwerke. Die Bereiche, die in einer bestimmten Situation weniger aktiv erscheinen, können in anderen Situationen zum Tragen kommen.

Ein weiteres Argument liefern Hirnschädigungen. Wenn 90 % des Gehirns unnütz wären, sollten große Teile neurologischer Schäden kaum Auswirkungen auf das Verhalten haben. Doch die Medizin zeigt das Gegenteil. Selbst kleine Läsionen in bestimmten Gehirnregionen können erhebliche Störungen hervorrufen, wie etwa Schwierigkeiten beim Sprechen, bei der Fortbewegung oder beim Erkennen von Objekten.

Der Energieverbrauch des Gehirns stellt ebenfalls einen wichtigen Hinweis dar. Dieses Organ macht etwa 2 % der Körpermasse aus, verbraucht aber fast 20 % der vom Körper in Ruhe verwendeten Energie. Ein solcher Aufwand wäre schwer zu erklären, wenn der Großteil des Gehirns inaktiv bliebe.

Der Ursprung des 10%-Mythos ist nicht eindeutig geklärt. Er könnte aus einer Fehlinterpretation früherer psychologischer Arbeiten oder aus übermäßigen Vereinfachungen in ersten Studien über Neuronen stammen. Einige Zitate, die Wissenschaftlern oder Persönlichkeiten zugeschrieben werden, haben ebenfalls dazu beigetragen, diese Idee ohne solide experimentelle Grundlage zu verbreiten.

Die neurowissenschaftliche Forschung zeigt heute, dass das gesamte Gehirn genutzt wird. Nicht alle Regionen arbeiten ständig auf Hochtouren, aber sie sind je nach Aktivität und Situation an verschiedenen Netzwerken beteiligt. Statt eines weitgehend ungenutzten Organs erscheint das Gehirn als ein dynamisches System, in dem Milliarden von Neuronen ständig zusammenarbeiten, um Denken, Emotionen und Handlungen hervorzubringen.
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