Warum entwickeln manche Patienten trotz einer scheinbar milden Virusinfektion dennoch schwere Verläufe?
Forscher zeigen, dass das Vorhandensein einer bestimmten Art von Antikörpern bei manchen Patienten die antivirale Immunantwort stört. Diese in der Fachzeitschrift Cell veröffentlichte Studie ist Teil einer internationalen Zusammenarbeit von insgesamt 60 Ärzten oder Wissenschaftlern und hat die Immunzellen identifiziert, die bei diesen Patienten für die Produktion der Anti-Typ-I-Interferon-Antikörper verantwortlich sind.
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Typ-I-Interferone sind Proteine, die für die antivirale Abwehr unerlässlich sind. Manche Patienten mit schweren Verlaufsformen von Infektionskrankheiten weisen erhöhte Blutspiegel von Antikörpern auf, die gegen Typ-I-Interferone gerichtet sind. Diese Autoantikörper werden bei mehr als 10 % der Patienten gefunden, die eine schwere Lungenentzündung aufgrund einer SARS-CoV2-Infektion (COVID-19) entwickeln.
Durch die gemeinsame Arbeit eines Konsortiums, das eine einzigartige Kombination von Fachkenntnissen in Strukturbiologie, Protein-Protein-Interaktionsmodellierung und detaillierter B-Zell-Analyse vereint, haben die Forscher nachgewiesen, dass diese Immunzellen, die diese Autoantikörper produzieren, nicht im Zusammenhang mit COVID-19 induziert werden, sondern bereits vor der Infektion mit SARS-CoV-2 vorhanden waren.
Diese Zellen weisen außerdem ähnliche Merkmale auf, wie sie bei bestimmten genetisch bedingten Erkrankungen der Immuntoleranz beobachtet werden, insbesondere hinsichtlich ihrer molekularen Ziele auf den Typ-I-Interferonen und ihrer Fähigkeit, die antivirale Immunantwort zu stören.
„Diese Ergebnisse deuten auf das Vorhandensein einer Anomalie des Immunsystems bei ansonsten gesunden Personen hin, die das Auftreten schwerer Verläufe bestimmter Virusinfektionen begünstigen kann. Diese Entdeckung eröffnet den Weg für neue Screening- und Präventionsstrategien, um Risikopersonen besser zu identifizieren und ihre Behandlung anzupassen“, erklärt Matthieu Mahévas, letzter Autor dieser Studie und Forscher am Institut Necker-Enfants Malades.
Quelle: Institut Pasteur