Könnten die Olympischen Winterspiele auf einem anderen Planeten oder einem Mond in unserem Sonnensystem stattfinden?
Die Erde ist das Referenzmodell. Ihre Neigung sorgt für regelmäßige Jahreszeiten und eine vorhersehbare Schneedecke. Der Wassereis, aus dem Schnee besteht, hat eine Schlüsseleigenschaft: Unter Druck bildet sich an seiner Oberfläche eine dünne, quasi-flüssige Schicht, die die Reibung verringert und Skier gleiten lässt. Unsere Schwerkraft, weder zu stark noch zu schwach, bietet den nötigen Halt für Schwünge.
Unser natürlicher Satellit, der Mond, hat keinen Schnee, sondern eine feine Gesteinsstaubschicht namens Regolith. Der Astronaut Harrison Schmitt verglich während der Apollo-17-Mission seine Fortbewegung mit Skilanglauf. Er schätzte sogar, dass manche Mondgebirge für den Alpinskitauglich wären. Ohne echten Schnee und mit reduzierter Schwerkraft wäre das Erlebnis jedoch sehr anders als das, was wir kennen.
Der Mars mit seinen Polkappen und Schneefällen scheint vielversprechender. Das Problem liegt in der Natur dieses Schnees: Es handelt sich hauptsächlich um gefrorenes Kohlendioxid, also Trockeneis. Unter dem niedrigen Atmosphärendruck des Mars schmilzt dieses Eis nicht, sondern geht direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über. Ein Ski würde Druck ausüben, der die Kontaktfläche wortwörtlich verschwinden ließe, was eine kontrollierte Abfahrt unmöglich macht.
Europa, ein Mond des Jupiters, ist vollständig von einer Kruste aus Wassereis bedeckt. Allerdings sind die Temperaturen dort so niedrig, dass das Eis extrem hart wird, fast wie Glas. Die geringe Schwerkraft, nur 13% der Erdanziehung, würde verhindern, dass sich die Skier richtig einschneiden. Man würde unkontrolliert über eine ultras glatte und starre Oberfläche rutschen, weit entfernt vom Gefühl von Pulverschnee auf der Erde.
Pluto bietet eine noch exotischere Landschaft mit Eis aus Stickstoff, Methan und Kohlenmonoxid. Bei Temperaturen um -230°C ist dieses Eis sehr spröde. Kombiniert mit der winzigen Schwerkraft würde diese Starrheit das Gleiten unangenehm und Schwünge praktisch unmöglich machen. Man würde eher abdriften als eine Abfahrt genießen.
Daher gilt: Auch wenn viele Himmelskörper Eis oder Hänge bieten, vereint nur die Erde alle Zutaten für ein angenehmes und kontrolliertes Gleiterlebnis... so wie wir es kennen. Es sei denn, wir ändern unsere Gleitpraxis drastisch, sollten die interplanetaren Winterspiele also vorerst warten, bis andere, besser geeignete Welten entdeckt werden.
Quelle: Informationen zusammengestellt aus Daten von Raumfahrtagenturen (NASA, ESA) und wissenschaftlichen Veröffentlichungen über die Eigenschaften planetarer Oberflächen.