Das Nickerchen ist eine gängige Praxis bei Senioren: Zwischen 20 und 60 % von ihnen tun es. Eine im
JAMA Network Open veröffentlichte Studie zeigt jedoch, dass bestimmte Gewohnheiten des Tagesschlafs auf gesundheitliche Probleme hinweisen können.
Forscher haben 1.338 ältere Menschen 19 Jahre lang mit Hilfe von Aktivitätsmonitoren am Handgelenk beobachtet. Ihre Ergebnisse: Lange, häufige oder morgendliche Nickerchen sind mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Jede zusätzliche Stunde Nickerchen erhöhte dieses Risiko um 13 %, und jedes zusätzliche Nickerchen um 7 %.
Um zu diesen Erkenntnissen zu gelangen, nutzte das Team Daten des Rush Memory and Aging Project, einer 1997 gestarteten Kohortenstudie. Die Teilnehmer trugen Aktivitätsmonitoren am Handgelenk. Diese Geräte zeichneten die Ruhe-Aktivitäts-Zyklen auf und ermöglichten eine objektive Analyse der Nickerchengewohnheiten. Anschließend untersuchten die Forscher, wie diese Gewohnheiten über 19 Jahre mit der Sterblichkeit zusammenhingen. Diese Methode vermeidet Verzerrungen durch persönliche Angaben.
Die Zahlen sprechen für sich: Jede zusätzliche Nickerchenstunde pro Tag erhöhte das Risiko um 13 %, und ein zusätzliches Nickerchen pro Tag um 7 %. Die auffälligste Feststellung betrifft morgendliche Nickerchen, die mit einem 30 % höheren Risiko verbunden waren als Nachmittagsnickerchen. Diese Zusammenhänge bestehen auch nach Anpassungen fort, aber die Autoren erinnern daran, dass es sich um Korrelationen handelt.
Die Forscher präzisieren, dass diese Tagesschlafgewohnheiten wahrscheinlich zugrunde liegende Gesundheitsprobleme widerspiegeln, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kognitiven Abbau oder Störungen des zirkadianen Rhythmus. Übermäßiges Nickerchen könnte eher ein Warnsignal als eine Todesursache sein. Daher könnte die objektive Überwachung von Nickerchen über Smartwatches helfen, diese Erkrankungen bei Senioren frühzeitig zu erkennen. Das sagt Chenlu Gao, Hauptautor der Studie, der in diesen Ergebnissen ein vielversprechendes Instrument für die Präventivmedizin sieht.
Ein Vorteil dieser Studie liegt in der Verwendung objektiver Messungen mittels Aktivitätsmonitoren, wodurch Verzerrungen durch Fragebögen vermieden werden. Die Nachbeobachtung über fast 20 Jahre ermöglicht zudem die Beobachtung langfristiger Trends. Allerdings waren die Teilnehmer größtenteils weiß und stammten aus dem Norden von Illinois, was die Verallgemeinerung der Ergebnisse einschränkt. Weitere Forschungen müssen diese Beobachtungen in diverseren Bevölkerungsgruppen bestätigen.
Besonders besorgniserregend sind morgendliche Nickerchen: Sie könnten auf eine Störung des zirkadianen Rhythmus oder eine schlechte nächtliche Schlafqualität hindeuten. Menschen, die spät aufwachen oder unterbrochene Nächte haben, neigen dazu, dies am Morgen zu kompensieren.
Quelle: JAMA Network Open