Eine in
Science Advances veröffentlichte Studie gibt neue Aufschlüsse über das soziogeografische Profil von Individuen, die Opfer von Gewalt auf den elsässischen Fundstellen Achenheim und Bergheim zwischen 4300 und 4150 v. Chr. wurden.
Mithilfe von Multi-Isotopen-Analysen an menschlichen Überresten zeigen die Forscher, dass diese Individuen zu Gruppen außerhalb des Gebiets gehörten, was darauf hindeutet, dass diese Konflikte der Wiederbehauptung einer lokalen Macht dienten.
Ablagerungen von menschlichen Überresten im Zusammenhang mit einem Gewaltkontext aus dem späten Mittelneolithikum in der elsässischen Region:
A) Grube 157 in Bergheim "Saulager"
B) Grube 124 in Achenheim "Strasse 2, RD 45"
© Philippe Lefranc / INRAP.
Die neolithischen Fundstellen Achenheim und Bergheim im Elsass (4300-4150 v. Chr.) sind eines der ältesten und am besten dokumentierten Beispiele für Konflikte in der europäischen Vorgeschichte. Frühere Untersuchungen an diesen Stätten hatten ergeben, dass die in runden Gruben gefundenen Individuen, insbesondere die durch vollständige Skelette repräsentierten, vielfache Anzeichen von "übermäßiger und unnötiger" Gewalt aufwiesen, was auf ein Massaker hindeutet. Diese Gruben enthielten auch isolierte Knochensegmente von abgetrennten linken Oberarmen.
Dieser einzigartige Kontext entspricht jedoch nicht den typischen Massakern oder Hinrichtungen, die aus dem archäoanthropologischen Befund des europäischen Neolithikums bekannt sind.
Auf der Grundlage von Multi-Isotopen-Analysen an Knochen und Zähnen hat ein internationales Team mit Forschern des Laboratoire méditerranéen de préhistoire Europe-Afrique (LAMPEA – CNRS/Univ Aix-Marseille/Inrap) die Ernährung rekonstruiert und die soziale und geografische Herkunft der untersuchten menschlichen Überreste dokumentiert. Die neuen biogeochemischen Daten wurden mit einem Referenzdatensatz verglichen, der an anderen Individuen der Region erstellt wurde, die in sogenannten konventionellen Gräbern bestattet und als "Nicht-Opfer" identifiziert wurden.
Die Ergebnisse zeigen signifikante isotopische Unterschiede zwischen den massakrierten Personen und den "Nicht-Opfern". Die Profile der Ersteren weisen auf eine größere Mobilität, eine vielfältigere Ernährung und einen potenziell höheren physiologischen Stress hin, was auf einen deutlich anderen Lebensstil hindeutet.
Verteilungsdichten der Schwefel-Isotopenzusammensetzung im Kollagen des Dentins (δ34Sdcol) von den Fundstellen Bergheim "Saulager" und Achenheim "Strasse 2, RD 45", nach Bestattungskontext (Opfer vs. Nicht-Opfer)
© T. Fernández-Crespo.
Diese Daten bestätigen die Hypothese, dass es sich um allochthone, also aus einem anderen Gebiet stammende Individuen handelte. Darüber hinaus heben die Schwefel-Isotopenzusammensetzungen bedeutende Unterschiede hervor: Die vollständigen Skelette könnten aus dem Süden des Elsass stammen, während die abgetrennten Gliedmaßen von Individuen aus dem Norden dieser Region stammen könnten.
Diese Studie legt nahe, dass diese Ereignisse nicht nur Gewalttaten waren, sondern eine breitere Dimension hatten, die die Wiederbehauptung einer Form von Macht über ein lokales Territorium widerspiegelte. Sie bietet somit eine neue Perspektive auf die Identifizierung von Opfern interpersonaler Gewalt und unterstreicht den Wert der Kombination verschiedener Analysemethoden.
Quelle: CNRS INEE