Alles begann 2022 mit einer unerwarteten Beobachtung. Eine Technikerin der Cornell University brachte ihrem Labor ein mit Bienen gefülltes Glas, die sie auf einem Friedhof in Ithaca gefunden hatte. Schnell identifizierten die Forscher die Art: Andrena regularis, eine solitär lebende Biene, die im Boden nistet und aktiv an der Bestäubung teilnimmt.
Bei der Untersuchung des Standorts entdeckten die Wissenschaftler eine Kolonie von außergewöhnlichem Ausmaß. Zwischen 3 und 8 Millionen Individuen bevölkern etwa 6.000 Quadratmeter. Eine solche Dichte entspricht mehreren hundert Bienenstöcken von Honigbienen, konzentriert auf engem Raum.
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Laut der in
Apidologie veröffentlichten Studie gehört diese Population zu den größten, die je dokumentiert wurden. Die Forscher betonen, dass es wahrscheinlich andere vergleichbare Ansammlungen gibt, die aber mangels detaillierter Beobachtungen noch unbekannt sind.
Im Gegensatz zu sozialen Bienen leben diese Insekten allein. Jedes Weibchen gräbt seine eigene Erdhöhle, legt dort seine Eier ab und versorgt sie mit Pollen und Nektar. Die Larven entwickeln sich vollständig unter der Erde, bevor sie im folgenden Frühjahr schlüpfen.
Eine bemerkenswerte Besonderheit: Diese Art verbringt den Winter als erwachsenes Tier unter der Erde. Sobald die Frühlingsemperaturen steigen, kommen zuerst die Männchen heraus, gefolgt von den Weibchen wenige Tage später. Dieser Versatz fördert die Fortpflanzung gleich nach ihrem Erscheinen.
Dieses Schlüpfen fällt mit der Blüte der Apfelbäume zusammen, einer typischen Kulturpflanze der Region. Der in der Nähe von Obstplantagen gelegene Friedhof bietet somit einen idealen Ausgangspunkt für die Bestäubung. Die Bienen nutzen auch die umliegenden Wildblumen.
Die lokalen Bedingungen erklären teilweise diese Konzentration. Der sandige Boden erleichtert das Graben der Nester, das Fehlen von Pestiziden und die geringen Störungen begünstigen ihre dauerhafte Ansiedlung. Friedhöfe erweisen sich somit als unerwartete Refugien für die Biodiversität.
Die Forscher nutzten Schlupffallen, um die Population abzuschätzen. Diese Vorrichtungen fangen die aus dem Boden schlüpfenden Insekten, was Rückschlüsse auf ihre Dichte und Aktivitätsperiode erlaubt. Sie zeigten auch die Präsenz von Kuckucksbienen, die ihre Eier in die Nester anderer Arten legen.
Diese Entdeckung zeigt auch, wie wichtig es ist, diese unauffälligen Lebensräume zu erhalten. Schon eine einfache Veränderung des Geländes könnte Millionen von Individuen auf einen Schlag auslöschen.
Quelle: Apidologie