Adrien - Freitag 16 Januar 2026

⚕️ Medizinisches Cannabis: zwischen Mythen und wissenschaftlicher Realität

Während medizinisches Cannabis wegen seiner vermeintlichen Vorteile an Beliebtheit gewinnt, stellt eine umfassende, von Experten der UCLA Health geleitete Übersichtsarbeit seine tatsächliche Wirksamkeit in Frage. Diese in der Zeitschrift JAMA veröffentlichte Analyse zeigt eine große Kluft zwischen seiner verbreiteten Nutzung und den verfügbaren wissenschaftlichen Daten auf.

Diese Literaturübersicht hat mehr als 2.500 Forschungsarbeiten aus einem Zeitraum von fünfzehn Jahren untersucht. Die Forscher konzentrierten sich besonders auf mehr als 120 Studien, die sich durch ihren Umfang, ihre Aktualität und ihre thematische Vielfalt auszeichneten. Ihr Hauptbefund hebt die wachsende Beliebtheit von Cannabis und Cannabinoiden wie CBD hervor, während eine Umfrage aus dem Jahr 2018 bereits zeigte, dass etwa 27 % der Einwohner der USA und Kanadas diese aus gesundheitlichen Gründen nutzten.


Illustrationsbild Unsplash


Dr. Michael Hsu von UCLA Health, Hauptautor der Übersichtsarbeit, stellt fest, dass viele Menschen dem Cannabis weitreichende medizinische Vorteile zuschreiben, während die neuesten Forschungsergebnisse diese Erwartungen nicht bestätigen. Seiner Ansicht nach gibt es eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen den öffentlichen Überzeugungen und den wissenschaftlichen Ergebnissen, was eine klare Begleitung durch medizinisches Fachpersonal für informierte medizinische Entscheidungen unerlässlich macht.

Die klinisch nachgewiesenen Vorteile beschränken sich auf eine kleine Anzahl spezifischer Erkrankungen. Dazu gehören pharmazeutische Cannabinoidprodukte, die von den US-Gesundheitsbehörden zugelassen sind und zur Appetitsteigerung bei HIV/Aids-Patienten, zur Bekämpfung chemotherapiebedingter Übelkeit und zur Behandlung bestimmter schwerer Formen von Epilepsie bei Kindern eingesetzt werden.

Für andere Anwendungsbereiche, wie die Behandlung chronischer Schmerzen, bleiben die Daten unzureichend oder unklar. Die aktuellen klinischen Leitlinien raten zudem von einer Erstbehandlung mit Cannabis-Medikamenten bei anhaltenden Schmerzen ab, obwohl mehr als die Hälfte der therapeutischen Konsumenten sie häufig nutzt.

Darüber hinaus stellt die Untersuchung potenzielle Gesundheitsrisiken fest, insbesondere bei Jugendlichen. Die Verwendung von Cannabis mit hohem THC-Gehalt scheint mit einem Anstieg psychotischer Symptome und generalisierter Angststörungen verbunden zu sein. Darüber hinaus erfüllen nur 29 % der medizinischen Konsumenten die Kriterien für eine Cannabiskonsumstörung.

Zudem könnte ein täglicher Konsum, insbesondere in inhalierter Form oder mit konzentrierten Produkten, mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden sein. Dazu gehören höhere Raten von koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfällen im Vergleich zu einem nicht täglichen Konsum.

Wie Cannabinoide im Körper wirken



Cannabinoide sind chemische Verbindungen in Cannabis, die mit dem Endocannabinoid-System unseres Körpers interagieren. Dieses System, das bei allen Säugetieren vorkommt, spielt eine Rolle bei der Regulation verschiedener Funktionen wie Schmerz, Stimmung, Appetit oder Gedächtnis.

Es besteht aus Rezeptoren, hauptsächlich CB1 und CB2, die sich im Gehirn, im Nervensystem und in anderen Geweben befinden. Die Cannabinoide aus Cannabis, wie THC und CBD, binden an diese Rezeptoren und modulieren ihre Aktivität, was therapeutische oder unerwünschte Wirkungen hervorrufen kann.

THC hat beispielsweise eine starke Affinität zu den CB1-Rezeptoren, was seine psychoaktiven Eigenschaften und sein schmerzlinderndes Potenzial erklärt. CBD hingegen wirkt anders, mit geringer psychoaktiver Wirkung, und könnte andere Signalwege beeinflussen.

Diese Wechselwirkung erklärt, warum die Wirkungen von Cannabis von Person zu Person erheblich variieren können und warum es schwierig ist, universelle Empfehlungen zu geben. Zugelassene pharmazeutische Produkte versuchen, diese Verbindungen für eine präzise medizinische Anwendung zu standardisieren.

Quelle: JAMA
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