Adrien - Donnerstag 15 Januar 2026

🩺 Krebs: ein Schlüssel für zwei Schlösser

Forscher haben gerade enthüllt, dass ein Protein namens MCL1, das bereits dafür bekannt ist, Krebszellen vor dem Tod zu bewahren, auch die Steuerung ihrer Energie orchestriert. Diese Doppelrolle eröffnet neue Perspektiven, um zu verstehen, wie Tumore wachsen und Therapien widerstehen.

Bislang wurde das MCL1-Protein hauptsächlich für seine Fähigkeit untersucht, Tumorzellen vor der Apoptose, einem natürlichen Selbstzerstörungsmechanismus, zu schützen. In vielen Krebsarten in großer Menge vorhanden, gehörte es zur Familie der Bcl-2-Proteine. Seine Funktion schien auf diesen einzigen Aspekt des Zellüberlebens beschränkt zu sein, was es zu einem interessanten Ziel für Therapien machte, die darauf abzielen, kranke Zellen wirksamer zu eliminieren.


Illustrationsbild Unsplash

Das Team aus Dresden hat jedoch einen bisher unbekannten Aspekt von MCL1 aufgedeckt. Tatsächlich interagiert dieses Protein direkt mit mTOR, einem wesentlichen Regulator des Zellmetabolismus. Indem es mTOR beeinflusst, hilft MCL1 Krebszellen, ihre Energieproduktion und -verbrauch nach Bedarf anzupassen. Diese Doppelfunktion macht MCL1 zu einem Hauptakteur in zwei grundlegenden Prozessen von Krebs und verbindet so Mechanismen, die bislang als getrennt betrachtet wurden.


Diese Entdeckung hat unmittelbare praktische Implikationen. MCL1-Inhibitoren, die derzeit klinisch getestet werden, haben sich als ebenfalls in der Lage erwiesen, die mTOR-Signalübertragung zu blockieren. Folglich könnte eine einzige Behandlung sowohl das Überleben als auch den Metabolismus von Tumoren ins Visier nehmen. Darüber hinaus könnte dieser Ansatz die Wirksamkeit bestehender Therapien verbessern, da mTOR-Inhibitoren bereits gegen bestimmte Krebsarten eingesetzt werden.

Ein großes Hindernis hatte jedoch die Entwicklung von MCL1-Inhibitoren gebremst: ihre Kardiotoxizität. Mehrere klinische Studien mussten aufgrund schwerer Nebenwirkungen am Herzen abgebrochen werden. Das Forschungsteam hat erstmals den molekularen Mechanismus identifiziert, der diesem Problem zugrunde liegt. Auf dieser Grundlage haben sie einen einfachen ernährungsbasierten Ansatz entwickelt, der die Kardiotoxizität signifikant reduziert, wie durch Tests an einem humanisierten Mausmodell bestätigt.

Diese Fortschritte sind das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit, an der Institute aus Tschechien, Österreich und Italien beteiligt sind. Dr. Mohamed Elgendy, der Leiter der Studie, weist darauf hin, dass MCL1 weit mehr als nur ein Überlebensfaktor ist; es ist aktiv an Signalwegen beteiligt, die mit Wachstum und Metabolismus verbunden sind. Diese Arbeit demonstriert den Wert grundlagenorientierter Forschung für die Entwicklung sicherer und wirksamerer Behandlungen.

Die klinischen Aussichten erscheinen daher vielversprechend. Durch die Lösung des Problems der Kardiotoxizität könnte diese Studie die Entwicklung von MCL1-Inhibitoren neu beleben. Dies würde den Weg für neue therapeutische Kombinationen ebnen, die gleichzeitig mehrere Schwächen von Krebszellen ins Visier nehmen, was einen interessanten Ansatz für Patienten mit resistenten Krebsarten darstellt.

Quelle: Nature Communications
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