Die Astronomen hatten die Ankunft des Kometen MAPS sehnsüchtig erwartet und hofften auf ein unvergessliches Spektakel am Frühlingshimmel. Doch dieser Komet hat sich in Luft aufgelöst und nur eine Staubwolke hinterlassen.
Seine Entdeckung im Januar hatte aufgrund der frühen Erkennung große Hoffnungen geweckt. Normalerweise werden solche Objekte erst wenige Tage vor ihrer Annäherung an die Sonne entdeckt. Diese frühe Entdeckung wird durch moderne Instrumente ermöglicht, die nun sehr schwache Signale in großer Entfernung erfassen können. Die neuesten Beobachtungen hatten jedoch gezeigt, dass Komet MAPS viel kleiner war als erwartet, mit einem Kern von nur etwa 400 Metern Durchmesser.
Die massereichsten Kometen überleben: hier der Kern des Halleyschen Kometen, beobachtet von Giotto
Während seiner Annäherung an die Sonne verfolgten die Wissenschaftler seine Bahn mit Hilfe von Instrumenten wie dem SOHO-Observatorium. Das Objekt bewegte sich mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit von über 500 Kilometern pro Sekunde. Kurz vor seiner größten Annäherung an die Sonne wurde ein plötzlicher Helligkeitsanstieg beobachtet, der wahrscheinlich den Beginn seiner Auflösung anzeigte. Anschließend zeigten die Bilder einen langgestreckten Schweif ohne einen erkennbaren Kern, was die Fragmentation bestätigte.
Nach dem Passieren hinter der Okkultationsscheibe des Koronografen tauchte nur noch eine diffuse Masse aus Material wieder auf. Der Kern war unter der kombinierten Wirkung der intensiven Hitze und der Gravitationskräfte der Sonne komplett zerrissen. Diese schnelle Auflösung verhinderte die Bildung eines sichtbaren Schweifs und beraubte so die Amateurastronomen des erhofften Schauspiels am Abendhimmel.
Komet MAPS auf dem Weg zur Sonne.
Quelle: NOAA
Dieses Phänomen lässt sich durch die Natur dieser Kometen, der "Kreutz-Gruppe", erklären. Sie entstanden vor Jahrhunderten aus der Fragmentierung eines größeren Körpers und umkreisen die Sonne sehr nah. Ihr Überleben hängt maßgeblich von der Größe ihres Kerns ab, wobei die kleinsten oft zerstört werden. Historische Beispiele, wie der große Komet von 1882, konnten aufgrund ihrer größeren Masse überstehen.
Für Komet MAPS war der Hitzeschock tödlich. Nachdem er in der eisigen Kälte des Weltraums gereist war, erwärmte sich sein Kern abrupt, was innere Spannungen erzeugte. Dieser Temperaturunterschied, zusammen mit den Gezeitenkräften, führte zu seinem Zerbersten.
Die Überreste des Kometen nach seiner engen Annäherung an die Sonne.
Quelle: LASCO C3/ESA/NASA
Die Kreutz-Kometen: extreme Besucher der Sonne
Diese Kometen gehören zu einer besonderen Familie, die nach dem Astronomen Heinrich Kreutz benannt ist. Sie teilen ähnliche Umlaufbahnen, die sie sehr nah an die Sonne führen, manchmal auf weniger als 100.000 Kilometer an ihre Oberfläche. Die vorherrschende Hypothese geht davon aus, dass sie alle vor etwa einem Jahrtausend aus der Zertrümmerung eines großen Kometen hervorgegangen sind, was viele Fragmente unterschiedlicher Größe erzeugte.
Im Laufe der Zeit zerbrechen diese Fragmente bei ihren Sonnenpassagen weiter. Nur die größten mit einem Durchmesser von mehreren Kilometern schaffen es zu überleben und bieten bemerkenswerte Schauspiele. Beispiele hierfür sind die großen Kometen des 19. Jahrhunderts, die Beobachter durch ihre außergewöhnliche Helligkeit beeindruckten.
Die frühe Entdeckung von Komet MAPS war ungewöhnlich, da die meisten dieser Objekte bis zu ihrer Annäherung an die Sonne unsichtbar bleiben. Moderne Instrumente wie Teleskope mit CCD-Kameras ermöglichen nun eine frühere Erkennung. Dies hilft Wissenschaftlern, ihr Verhalten und ihre Entwicklung besser zu verstehen.
Diese Kometen sind ein wichtiges Forschungsthema für die Astronomie, da sie die extremen Bedingungen in der Nähe der Sonne verdeutlichen. Ihre Schicksale, zwischen Überleben und Zerstörung, liefern Hinweise auf die Zusammensetzung und Widerstandsfähigkeit von Kometenkernen in unserem Sonnensystem.
Quelle: SOHO/NASA