Fieber, gefolgt von jahrelangen Gelenkschmerzen: Das ist die Realität für viele Menschen, die an Chikungunya erkranken, einer durch Mücken übertragenen Krankheit. Während die anfänglichen Symptome oft intensiv sind, stehen vor allem die langfristigen Komplikationen im Fokus der Gesundheitsfachleute.
Ein bemerkenswerter Anteil der Patienten leidet tatsächlich unter anhaltenden Schmerzen, die manchmal Monate oder sogar Jahre andauern, ähnlich wie bei bestimmten Formen von Arthritis. In diesem Rahmen ist die Suche nach einem wirksamen Präventionsmittel eine Priorität.
Forscher der Griffith University in Australien haben einen bemerkenswerten Fortschritt in diese Richtung erzielt. Ihre Arbeit basiert auf einem innovativen Ansatz zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen dieses Virus. Anstatt abgeschwächter oder inaktivierter Viren zu verwenden, entschied sich das Team für die Erstellung synthetischer Partikel, die die Oberfläche des Chikungunya-Virus perfekt nachahmen. Diese Partikel dienen als Köder, um das Immunsystem zu trainieren, ohne die Krankheit auszulösen.
Die asiatische Tigermücke Aedes albopictus ist an den weißen Streifen an ihren Beinen erkennbar. Sie ist unter anderem Überträgerin der Dengue- und Chikungunya-Viren sowie des Zika-Virus.
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Um diese Köder herzustellen, nutzten die Wissenschaftler modifizierte E. coli-Bakterien als kleine biologische Fabriken. Diese Bakterien produzieren Biopolymer-Partikel, die an ihrer Oberfläche spezifische Antigene des Chikungunya-Virus tragen, insbesondere die Proteine E2 und E1. Professor Bernd Rehm erklärt, dass diese Partikel ohne Adjuvantien dem echten Virus so ähnlich sind, dass sie eine robuste Immunreaktion auslösen. Das körpereigene Abwehrsystem erkennt sie und bereitet sich so auf eine zukünftige echte Infektion vor.
Diese Methode hat den Vorteil, sicher zu sein, da sie keine Verwendung von lebenden, abgeschwächten Viren oder sogar viralen Fragmenten erfordert. Die synthetischen Partikel werden einfach von wichtigen Immunzellen aufgenommen, die dann lernen, den wahren Feind zu erkennen. Präklinische Versuche zeigten, dass dieser Ansatz einen vielversprechenden Immunschutz induziert und den Weg für Tests am Menschen ebnet. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Fachzeitschrift
Biomaterials veröffentlicht.
Der Verlauf der Krankheit selbst verdeutlicht die Bedeutung einer solchen Entdeckung. Nach dem Stich einer infizierten Mücke vermehrt sich das Virus im Blut und wandert hauptsächlich zu den Gelenken, Muskeln und Bindegeweben. Dort verursacht es erhebliche Entzündungen und direkte Schäden. Selbst nach der Beseitigung des Virus kann das Immunsystem weiterhin die Gelenkgewebe angreifen, was bei bis zu 60 % der Patienten zu chronischen Schmerzen führt.
Das Forschungsteam plant nun, mit der klinischen Entwicklung des Impfstoffkandidaten fortzufahren. Die nächsten Schritte werden darin bestehen, Studien zur Bewertung der Sicherheit der Formulierung an menschlichen Freiwilligen durchzuführen, bevor ihre tatsächliche Wirksamkeit zur Verhinderung einer Infektion getestet wird. Diese Strategie könnte ein wertvolles Werkzeug zur Eindämmung von Ausbrüchen liefern, insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen, wo die übertragenden Mücken weit verbreitet sind.
Quelle: Biomaterials