Adrien - Montag 20 Oktober 2025

🔌 Elektroautos: Wie lĂ€sst sich die Ladekosten maximal optimieren?

Die Effizienz von Elektroautos ist maximal, wenn sie geteilt und intelligent geladen werden. Um dies zu erreichen, sind Echtzeitinformationen ĂŒber Strompreise und CO₂-Emissionen entscheidend. Dies zeigt eine Studie der Empa und der UniversitĂ€t Genf (UNIGE), die auf umfassenden Daten aus dem Carsharing basiert und in Environmental Science & Technology veröffentlicht wurde.

Die Reduktion der Treibhausgasemissionen im Personentransport erfordert mehr Elektrofahrzeuge und weniger Autos auf den Straßen. Carsharing bietet hier ein großes Potenzial. Aber nicht jedes Laden ist gleichwertig: Je nach Tageszeit variieren der Strommix (und damit die mit der Stromproduktion verbundenen CO₂-Emissionen) sowie die Strompreise. Durch die Analyse von Daten von etwa 1,5 Millionen Nutzenden von Mobility untersuchten die Wissenschaftler der Empa und der UNIGE das Laden von Elektroautos in AbhĂ€ngigkeit von den verursachten Emissionen.



Die meisten Menschen in der Schweiz, dem Land der Studie, kennen weder den tatsĂ€chlichen Strompreis noch die damit verbundenen CO₂-Emissionen zum Zeitpunkt des Ladens.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass es selten möglich ist, gleichzeitig von niedrigen Preisen und reduzierten Emissionen zu profitieren. Über das Jahr gesehen ermöglicht eine rein kostenoptimierte Ladung durchschnittliche Einsparungen von 21 %, fĂŒhrt aber zu einer VerfĂŒnffachung der CO₂-Emissionen. Umgekehrt reduziert ein klimatisch optimiertes Laden die Emissionen um bis zu 82 %, erhöht jedoch die Kosten um fast 27 %. "Eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen besteht darin, Kosten- und Klimaziele in Einklang zu bringen. Ideal wĂ€re es, wenn umweltfreundliches Laden auch finanziell attraktiv wĂ€re", erklĂ€rt Sven Eggimann, Forscher an der Empa und Autor der Studie.

Die Notwendigkeit dynamischer Tarife und Echtzeitinformationen


Die Berechnungen der Studie basieren auf Strompreisen, die stĂŒndlich variieren. Wenn jedoch nur vereinfachte Tarifmodelle eingefĂŒhrt werden, die lediglich zwischen Tag und Nacht unterscheiden, wird intelligentes Laden schwer anwendbar. "Die meisten Menschen in der Schweiz kennen weder den tatsĂ€chlichen Strompreis noch die damit verbundenen CO₂-Emissionen zum Zeitpunkt des Ladens", betont Elliot Romano, Forscher an der Empa und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut fĂŒr Umweltwissenschaften der UNIGE. Um klimafreundliche oder kostengĂŒnstige Lade-Strategien zu ermöglichen, benötigen die Nutzenden Echtzeitinformationen, idealerweise zugĂ€nglich ĂŒber intelligente ZĂ€hler.

"In LĂ€ndern wie DĂ€nemark können diese Autofahrer den aktuellen Strompreis ĂŒber eine App abrufen und ihre Ladezeiten bewusst wĂ€hlen", ergĂ€nzt Sven Eggimann. "Dieses System funktioniert, aber niemand möchte das auf Dauer manuell verwalten." Daher sind automatisierte Lösungen von Interesse, die sich an individuelle PrĂ€ferenzen anpassen können.


Damit das Laden in Zeiten mit niedrigen Emissionen wirtschaftlich interessant wird, sind auch geeignete Anreize notwendig, wie etwa Stromtarife, die an die CO₂-IntensitĂ€t gekoppelt sind. Die an der Empa durchgefĂŒhrten Simulationen zeigen, dass mit einem dynamischen CO₂-Preis von durchschnittlich etwa 30 Rappen pro Kilogramm CO₂-Äquivalent (also einer Steuer von 72 Rappen / 100 km oder etwa 100 CHF pro Jahr fĂŒr ein Standardfahrzeug in der Schweiz) eine Vereinbarkeit von klimafreundlichem Laden und Kostenoptimierung möglich wird. Aber nur, wenn die Tarife tatsĂ€chlich die mit dem Stromverbrauch verbundenen Emissionen widerspiegeln.

"Idealerweise sollte das Laden auf freiwilligen AnsĂ€tzen basieren, die durch Anreize unterstĂŒtzt werden", prĂ€zisiert Elliot Romano. "Das kann in Form von Vorzugstarifen oder reservierten ParkplĂ€tzen in Zeiten mit niedrigen Emissionen geschehen." Andernfalls könnte der Zugang zum Laden eingeschrĂ€nkt oder unflexibles Verhalten mit ZusatzgebĂŒhren belegt werden.

HÀufigere Nutzung am Tag, aber eine umweltfreundliche Lösung


Geteilte Fahrzeuge werden hĂ€ufiger genutzt, insbesondere tagsĂŒber. Sie benötigen daher mehr LadevorgĂ€nge in der Nacht, einer Zeit, in der der Strommix oft klimatisch weniger gĂŒnstig ist. Dennoch unterscheiden sich laut Sven Eggimann die Gesamtemissionen und -kosten ihres Ladens nur geringfĂŒgig von denen privater Fahrzeuge. "Carsharing-Autos werden intensiver genutzt, aber dank kurzer Ladeunterbrechungen und dem Ausbau der Schnellladeinfrastruktur bleiben genĂŒgend Möglichkeiten, Zeiten mit niedrigen Emissionen zu bevorzugen."

Das Carsharing selbst bietet eine noch vielversprechendere Perspektive: eine substanzielle Verringerung des Fahrzeugbestands. Mit 25 % weniger Autos in Schweizer StĂ€dten könnte der Druck auf die Winterstromversorgung spĂŒrbar verringert werden. "Carsharing benötigt insgesamt weniger Energie, da weniger Fahrzeuge unterwegs sind", erlĂ€utert Elliot Romano. "Selbst wenn die jĂ€hrlich insgesamt zurĂŒckgelegte Kilometerzahl mit der privater Autos vergleichbar bleibt, findet ein wachsender Teil der Fahrten durch andere Verkehrsmittel ergĂ€nzend zu den geteilten Fahrzeugen statt. Das trĂ€gt dazu bei, das Energiesystem insgesamt zu entlasten."

Die strukturelle Herausforderung des Winters



FĂŒr eine erfolgreiche nachhaltige Verkehrswende können Elektrofahrzeuge nicht unabhĂ€ngig von der Optimierung ihres Ladens betrachtet werden. "Das erfordert Fortschritte sowohl auf regulatorischer als auch auf technischer Ebene", betont Sven Eggimann. "Langfristig ist das Ziel klar: eine Ladeinfrastruktur zu haben, die Nutzer automatisch zu kostengĂŒnstigen Zeiten mit niedrigen Emissionen fĂŒhrt, ohne stĂ€ndiges Eingreifen."

Wenn die Schweiz in Zukunft stÀrker auf Elektroautos setzt, muss sich das Energiesystem tiefgreifend anpassen. Selbst mit optimierten Ladezeiten und einem verringerten Fahrzeugbestand durch Carsharing wird der zusÀtzliche Strombedarf durch die Elektrifizierung der individuellen MobilitÀt hoch bleiben, mit einem simulierten Winterdefizit von etwa einem Terawattstunde pro Monat bis 2050.

"Dieses saisonale Versorgungsdefizit kann nicht allein durch mehr Batterien oder eine einfache Verschiebung der Ladezeiten ausgeglichen werden", warnt Elliot Romano. "Die Elektrifizierung ist daher nur ein Teil der Lösung. Wer wirklich etwas fĂŒr das Klima tun will, setzt auch auf Carsharing, öffentliche Verkehrsmittel und, weiter gefasst, auf eine Reduzierung der Nutzung des Privatautos."

Quelle: UniversitÀt Genf
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