Um den Abwehrkräften unseres Körpers zu entgehen, wendet der Parasit, der die Schlafkrankheit verursacht, eine besondere Methode an. Er verändert seine eigenen genetischen Baupläne genau in dem Moment, in dem sie produziert werden, als würde er absichtlich bestimmte Teile des Montagehandbuchs löschen. Dieser Trick ermöglicht es dem Mikroorganismus, im Blutkreislauf unsichtbar zu bleiben, wo er gedeihen und erheblichen Schaden anrichten kann.
Forscher haben ein Protein namens ESB2 identifiziert, das in der Proteinfabrik des Parasiten wirkt. Dieses Protein schneidet mit großer Genauigkeit die genetischen Botschaften, die zu Hilfsgenen gehören, während es diejenigen, die für die Haupttarnung kodieren, intakt lässt. Der Parasit produziert so in großen Mengen die Proteine für seine schützende Tarnkappe, während er die Herstellung anderer Komponenten begrenzt.
Illustrationsbild Pixabay
Diese Arbeit liefert eine Antwort auf eine Frage, die im Bereich der Parasitenbiologie seit mehreren Jahrzehnten offen war. Die Wissenschaftler waren erstaunt über die beobachtete Asymmetrie bei der Produktion der verschiedenen für das Überleben des Parasiten notwendigen Proteine. Dank dieser Studie verstehen sie nun, dass das Ungleichgewicht beabsichtigt und durch ESB2 gesteuert wird.
Der Parasit Trypanosoma brucei wird durch die Tsetsefliege übertragen und verursacht die Schlafkrankheit in Subsahara-Afrika. Ohne Behandlung dringt er in das zentrale Nervensystem ein, führt zu Schlafstörungen, Verwirrung und kann ins Koma führen. Genau zu verstehen, wie er seine Genexpression manipuliert, eröffnet Möglichkeiten für die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze. Die gezielte Beeinflussung dieses molekularen Schneideprozesses könnte die Fähigkeit des Parasiten, sich zu verbergen, schwächen.
Dieser Fortschritt ist bedeutsam für die Forschung zu Infektionskrankheiten. Er zeigt, dass das Überleben einiger Organismen auf Mechanismen der gezielten Zerstörung ihrer eigenen Baupläne beruhen kann.
Diese Arbeit ist das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit, die Teams aus dem Vereinigten Königreich, Portugal, den Niederlanden, Deutschland, Singapur und Brasilien vereint. Das Labor der Universität York unter der Leitung der Hauptforscherin spielte eine zentrale Rolle.
Quelle: Nature Microbiology