Wie nennt man ein Objekt, das alle Merkmale eines Mondes aufweist, dessen Masse sich jedoch mit der eines Riesenplaneten vergleichen lässt? Die jüngsten Beobachtungen eines 133 Lichtjahre von der Erde entfernten Systems stellen genau diese Frage.
Ein internationales Team hat den Planeten HD 206893 B untersucht, einen Gasriesen, der deutlich massereicher als Jupiter ist. Dank des Instruments GRAVITY am Very Large Telescope in Chile haben Astronomen eine regelmäßige Oszillation in der Bahn des Planeten um seinen Stern entdeckt. Diese Hin- und Herbewegung, die sich alle neun Monate wiederholt, lässt sich nicht allein durch den Planetenorbit erklären.
Für die Forschenden offenbart diese Oszillation die Anwesenheit eines massereichen Begleiters, der den Planeten gravitativ stört. Das Kandidatenobjekt würde HD 206893 B in einer Entfernung umkreisen, die einem Fünftel des Abstands zwischen Erde und Sonne entspricht. Zudem könnte seine geneigte Umlaufbahn auf eine bewegte Geschichte dieses Systems hindeuten.
Das bemerkenswerteste Element dieser potenziellen Beobachtung betrifft die Größe des Begleitobjekts. Seine Masse wird auf etwa 40 % der Masse Jupiters geschätzt, was der neunfachen Masse Neptuns entspricht.
Ein solcher Unterschied stellt die Definition eines Mondes selbst in Frage. Obwohl es noch keine offizielle Klassifikation für Exomonde gibt, bezeichnen Astronomen damit im Allgemeinen jedes Objekt, das einen Planeten umkreist. Die Grenze zwischen einem sehr massereichen Mond und einem massearmen Begleiter verschwimmt jedoch in einem solch extremen Fall.
Dieser Nachweis wurde durch eine astrometrische Technik ermöglicht, die die Position der Himmelskörper mit hoher Genauigkeit misst. Das Team entdeckte winzige Variationen in der Bewegung des Planeten, die den gravitativen Einfluss eines anderen Körpers verraten.
Dieser Ansatz scheint vielversprechend für die Identifizierung weiterer extrasolarer Monde zu sein, insbesondere für solche, die weit von ihrem Mutterstern entfernt kreisen, wo sie mit größerer Wahrscheinlichkeit stabil sind. Wie bei den vor einigen Jahrzehnten entdeckten ersten Exoplaneten werden die ersten nachgewiesenen Exomonde wahrscheinlich die massereichsten sein.
Sollte sie bestätigt werden, würde diese Beobachtung einen neuen Blick auf die Vielfalt der Planetensysteme bieten. Sie zeigt, dass unsere derzeitige Sichtweise, die auf dem einzigen Beispiel des Sonnensystems basiert, noch sehr unvollständig ist.
Quelle: Astronomy & Astrophysics