Laut einer aktuellen Studie könnte die Leber eine bisher unbekannte Rolle für die Knochengesundheit spielen, allerdings nur bei Männern.
Die an der McGill-Universität durchgeführte und in
Matrix Biology veröffentlichte Studie ergab, dass ein in der Leber produziertes Protein bei männlichen Mäusen das Knochenwachstum regulieren half, nicht jedoch bei weiblichen Mäusen. Dieser Befund könnte erklären, warum Männer mit einer Lebererkrankung anfälliger für Knochenschwund sind.
Dieses Protein, das Plasma-Fibronectin, kommt von Natur aus in größerer Menge im Blut von Männern vor als bei Frauen, seine Konzentration sinkt bei einer Leberschädigung und es sammelt sich in den Knochen an, um den Knochenaufbau zu modulieren. Daher könnten Männer für die Aufrechterhaltung ihrer Knochenfestigkeit stärker auf dieses Protein angewiesen sein als Frauen.
"Etwa 60 % der Osteoporose-Fälle bei Männern stehen im Zusammenhang mit zugrunde liegenden Gesundheitsproblemen", sagt Mari Tuulia Kaartinen, außerordentliche Professorin an der Fakultät für Zahnmedizin und Mundgesundheit der McGill-Universität und Hauptautorin der Studie. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieses Protein eine der biologischen Verbindungen zwischen Lebererkrankungen und Knochenschwund sein könnte."
Ein Mechanismus, der je nach Geschlecht unterschiedlich ist
Osteoporose wurde stets als eine mit dem Altern und den inneren Prozessen des Knochens verbundene Krankheit betrachtet und wird häufiger mit Frauen in Verbindung gebracht. Mindestens jede dritte Frau und jeder fünfte Mann erleiden im Laufe ihres Lebens einen osteoporosebedingten Knochenbruch.
"Wir wissen, dass Frauen Knochenmasse vor allem aufgrund der hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren verlieren, aber auch Männer verlieren welche, besonders nach dem 50. Lebensjahr, aber man weiß nicht genau, warum", erklärt Professorin Mari Tuulia Kaartinen.
Bei Laborexperimenten schaltete das Forschungsteam das Fibronectin-Gen in der Leber aus und verhinderte so, dass das Protein ins Blut freigesetzt wurde. Ohne dieses Protein neigte die Knochenfestigkeit bei männlichen Mäusen dazu, geringer zu sein.
"Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Krankheiten je nach Geschlecht unterschiedlich entwickeln können", präzisiert Mari Tuulia Kaartinen. "Es ist wesentlich, biologische Unterschiede in der medizinischen Forschung stärker zu berücksichtigen, um genauere Ansätze in Prävention und Behandlung zu definieren."
In einem weiteren Sinne untermauert die Studie die zunehmend verbreitete Hypothese, dass Osteoporose keine Erkrankung sei, die nur die Knochen betrifft, sondern den gesamten Körper, fügt sie hinzu.
Quelle: McGill-Universität