Adrien - Mittwoch 13 Mai 2026

🐦 Die Vögel der Stadt haben mehr Angst vor Frauen als vor Männern – warum?

Die Vögel der Stadt zeigen ein überraschendes Verhalten gegenüber Menschen: Sie fliegen schneller auf, wenn die sich nähernde Person eine Frau ist, statt ein Mann. Diese Beobachtung, die in mehreren europäischen Ländern wiederholt wurde, ist statistisch fundiert und betrifft häufige Arten wie Kohlmeisen, Haussperlinge oder Amseln. Dennoch bleibt der Ursprung dieses Unterschieds ungeklärt.

Für diese Studie führten Wissenschaftler aus fünf Ländern, darunter Frankreich und Deutschland, ein einfaches Protokoll durch. Männliche und weibliche Teilnehmer, sorgfältig nach Größe und Kleidung abgestimmt, gingen in städtischen Parks direkt auf Vögel zu. Die Fluchtdistanz wurde in dem Moment gemessen, als der Vogel aufflog.


Bildillustration Pixabay

Im Durchschnitt konnten Männer sich den Vögeln um einen Meter weiter nähern als Frauen, und dieses Muster zeigte sich bei allen 37 beobachteten Arten, von Elstern bis Tauben.


Die Forscher stellen mehrere Hypothesen auf, um dieses Phänomen zu erklären. Die Vögel könnten sich an olfaktorischen Hinweisen, der Körperform oder dem Gang orientieren. Professor Daniel Blumstein stellt sich ein Experiment vor, das vom 'Ministerium für das Gehen' der Monty Python inspiriert ist, um die Wirkung der Gangart zu testen. Diese Ansätze bleiben jedoch spekulativ, und der genaue Grund ist nicht geklärt.

Um tiefer zu gehen, planen die Forscher, die verschiedenen Faktoren wie Bewegungen oder Gerüche getrennt zu testen. Die 2701 gesammelten Beobachtungen bieten eine solide Grundlage, aber ergänzende Studien sind notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die zugrundeliegenden Mechanismen zu verstehen.

Die in der Fachzeitschrift People and Nature veröffentlichte Studie wirft Fragen zur Tierwahrnehmung im städtischen Umfeld auf. Die Vögel der Stadt sind in der Lage, Details zu unterscheiden, die Menschen nicht wahrnehmen.

Die Forscher hoffen, dass ihre Arbeit andere Teams dazu anregt, das Experiment in anderen Umgebungen zu wiederholen, beispielsweise mit ländlichen Vögeln. Ein solcher Vergleich würde zeigen, ob diese Unterscheidungsfähigkeit nur bei Stadtvögeln vorkommt oder allgemeiner ist.

Die Fluchtdistanz: ein Indikator für Toleranz


Die Fluchtdistanz ist ein Schlüsselkonzept in der Verhaltensökologie. Sie misst die minimale Entfernung, die ein Tier einem potenziellen Fressfeind erlaubt, sich zu nähern, bevor es flieht. Je größer diese Distanz, desto ängstlicher ist das Tier. Dieser Indikator ermöglicht es, die Toleranz von Arten gegenüber Menschen zu bewerten, insbesondere in städtischen Gebieten, wo der Kontakt häufig ist.

Forscher nutzen die Fluchtdistanz oft, um die Anpassung von Tieren an die Anwesenheit von Menschen zu untersuchen. Durch den Vergleich der Distanzen unter verschiedenen Bedingungen können sie die Auswirkungen von Urbanisierung, Jagd oder Tourismus ableiten.

Quelle: People and Nature
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