Intermittierendes Fasten beschränkt sich nicht nur auf Gewichtskontrolle oder Stoffwechselverbesserung. Japanische und chinesische Forscher haben nun eine unerwartete Wirkung dieser Ernährungsweise nachgewiesen: einen Schutz vor Hirnschäden, die durch chronischen Stress verursacht werden.
Hält Stress über längere Zeit an, hinterlässt er Spuren weit über vorübergehende Müdigkeit hinaus. Er verändert die Struktur des Gehirns selbst, indem er das Myelin angreift, jene isolierende Hülle, die die Nervenfasern umgibt und ohne die elektrische Signale nur schwer fließen können. Ein Team der Universität Chiba und des Ersten angeschlossenen Krankenhauses der Universität Zhengzhou hat untersucht, ob intermittierendes Fasten diesen schädlichen Effekten entgegenwirken kann. Ihre in Translational Psychiatry veröffentlichte Arbeit liefert vielversprechende Erkenntnisse.
Chronischer Stress greift die neuronale Verkabelung an
Myelin spielt eine wesentliche Rolle bei der schnellen Übertragung von Informationen zwischen Neuronen. Hält der Stress über längere Zeit an, baut sich diese fettartige Substanz in Schlüsselregionen wie dem Hippocampus (Gedächtnis), dem medialen präfrontalen Kortex (Entscheidungsfindung und Emotionsregulation) und dem Corpus Callosum (Kommunikation zwischen den Hemisphären) ab. Bei Mäusen reichen vierzehn Tage anhaltender Belastung aus, um sichtbare Schäden an dieser Schutzhülle zu verursachen, die mit depressivem Verhalten einhergehen.
Intermittierendes Fasten, über denselben Zeitraum angewandt, änderte das Bild. Die Nagetiere, die diesem Regime unterzogen wurden, zeigten eine deutliche Bewahrung der Myelinintegrität in den zuvor geschädigten Regionen. Die Spiegel des myelinischen Basisproteins, ein Indikator für die Gesundheit des Gewebes, blieben bei den Tieren mit intermittierendem Fasten nahezu normal, während sie bei den Tieren, die nach Belieben gefüttert wurden, abfielen.
Eine messbare Verhaltenswirkung
Über die biologischen Marker hinaus bewertete das Team das Verhalten der Mäuse. Die gestressten und frei gefütterten Tiere verloren das Interesse an süßen Belohnungen und zeigten ausgeprägtere verhaltensbezogene Verzweiflung. Im Gegensatz dazu behielten diejenigen, die intermittierend fasteten, eine deutlich höhere Motivation und Reaktionsfähigkeit auf positive Reize. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass die Ernährungsweise als psychologischer Puffer gegen die Auswirkungen von Stress wirkt.
Die Forscher betonen einen Punkt: Diese Beobachtungen beschränken sich auf das Mausmodell. Die zugrundeliegenden Mechanismen, obwohl im Tier klar identifiziert, können nicht direkt auf den Menschen übertragen werden. Aber das Ausmaß der festgestellten Wirkungen rechtfertigt eine vertiefte Untersuchung dieser Spur.
Das Darmmikrobiom als wahrscheinlicher Vermittler
Die Verbindung zwischen Gehirn und Darm steht im Zentrum der aufgestellten Hypothese. Die genetische Sequenzierung der Darmbakterien ergab, dass intermittierendes Fasten die Vielfalt und Zusammensetzung des Mikrobioms tiefgreifend veränderte. Zwei Arten,
Prevotellamassilia timonensis und
Muricoprocola aceti, zeigten eine positive Korrelation mit einer besseren Myelinintegrität und einer Verhaltensverbesserung. Im Gegensatz dazu war
Anaeroplasma abactoclasticum mit ungünstigen Effekten assoziiert.
Intermittierendes Fasten normalisierte auch teilweise die durch Stress gestörten mikrobiellen Stoffwechselwege. Diese Neuordnung des Mikrobioms könnte erklären, wie eine Ernährungseinschränkung aus der Ferne auf das zentrale Nervensystem wirkt.
Diese Ergebnisse eröffnen den Weg für nicht-medikamentöse Strategien zur Vorbeugung bestimmter neuropsychiatrischer Störungen. Aber die Autoren erinnern mit Vorsicht daran, dass klinische Studien am Menschen unerlässlich sind, bevor irgendwelche Empfehlungen in Betracht gezogen werden können.
Autor des Artikels: Cédric DEPOND
Quelle: Translational Psychiatry