Klein aber oho – Bärtierchen sind die Meister der Langlebigkeit und des Überlebens unter extremen Bedingungen. Einige dieser "Superkräfte", die sie von einzigartigen Genen ihrer Art haben, könnten nun durch genetische Veränderung auf andere Arten übertragbar sein. Eine Studie in
Science Advances, die die Altersforschung revolutioniert.
Bärtierchen sind mikroskopisch kleine Tiere, die in allen feuchten Umgebungen leben, vom Meeresgrund bis zum Gipfel des Himalaya. Unsichtbar für das bloße Auge, sind diese auch "Wasserbären" genannten Organismen in der Lage, extremen Stress wie das Weltraumvakuum, sehr hohen Druck, extreme Temperaturen oder Strahlung zu widerstehen.
Als die widerstandsfähigsten Lebewesen der Erde betrachtet, wecken diese weniger als 1 mm großen Tiere die Neugier der Wissenschaftler, die ihre bemerkenswerten Eigenschaften und ihre 41,1 % einzigartigen Gene untersuchen, die bei keiner anderen Familie von Lebewesen vorkommen.
So ist das Protein Dsup (für
Damage suppressor), benannt nach einem dieser einzigartigen Gene, aus dem es stammt, in der Lage, die DNA der Bärtierchen vor oxidativem Stress zu schützen, insbesondere vor Strahlung und freien Radikalen. Diese Entdeckung wurde bereits erfolgreich genutzt, um menschliche Zellen strahlungsresistenter zu machen.
Aber aus dieser Studie ergab sich eine Frage: Was würde passieren, wenn Dsup in einem ganzen Organismus exprimiert würde? Um dies zu beantworten, haben Chemiker und Biologen des CNRS, des INSERM und der Universität Montpellier das Dsup-Gen in das Genom von
Caenorhabditis elegans (C. elegans) eingeführt, einem 1 mm kleinen Wurm, der unter anderem in der Altersforschung weit verbreitet als Modell für quantitative Genetik verwendet wird.
Dank einer präzisen Methode zur Geninsertion erzeugten sie so Würmer, die Dsup exprimieren, ohne ihr Wachstum, ihre Fruchtbarkeit oder ihr Verhalten zu verändern. Diese Würmer erwiesen sich als resistent gegen Röntgenstrahlen und oxidativen Stress wie Wasserstoffperoxid. Dsup scheint nicht zu wirken, indem es die klassischen zellulären Abwehrmechanismen aktiviert, sondern indem es direkt die Menge der freien Radikale reduziert, dieser instabilen Moleküle, die Zellen schädigen.
Das Erstaunlichste: Die Würmer, die Dsup exprimieren, leben länger. Und das, ohne die üblichen mit Langlebigkeit verbundenen genetischen Wege wie den der FOXO/DAF-16-Proteine auszulösen oder die Fortpflanzung zu stören. Noch besser: Das Team aus Montpellier beobachtete, dass Dsup den Sauerstoffverbrauch der Mitochondrien, der Kraftwerke der Zelle, verringert, ohne deren Struktur zu verändern, was auf eine feine Modulation des Stoffwechsels hindeutet.
Ein Exemplar des kleinen Wurms C. elegans kann genetisch verändert werden, indem das Dsup-Gen des Bärtierchens in sein Genom eingeführt wird. Das von diesem Gen im Wurm exprimierte Dsup-Protein schützt dessen DNA, verringert oxidativen Stress und verlängert sein Leben. Ein einzigartiges Bärtierchen-Gen, von anderswo, mit starken Auswirkungen auf das Zellüberleben.
© Simon Galas, Myriam Richaud & Aymeric Bailly
Diese Arbeit, veröffentlicht in der Zeitschrift
Science Advances, eröffnet einen neuen Weg in der Erforschung des Alterns. Zum ersten Mal verlängert die Einführung eines Gens aus einer anderen Art die Lebensdauer eines Tieres ohne größere Nebenwirkungen. Dsup könnte ein neues Werkzeug sein, um die Mechanismen der zellulären Alterung zu verstehen und vielleicht eines Tages zu kontrollieren.
Redakteur: AVR
Quelle: CNRS INC