Was wäre, wenn eine menschliche Tragödie der Natur eine neue Chance geboten hätte?
Eine in
Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie zeigt, dass die Pest des 14. Jahrhunderts die Wiederherstellung der mediterranen Wälder begünstigte. Bei der Analyse jahrhundertealter Eichen in Italien entdeckten Forscher, dass die meisten dieser Bäume unmittelbar nach der großen Pandemie wuchsen, als die menschliche Bevölkerung zusammenbrach.
Diese Entdeckung beruht auf der Radiokarbondatierung, einer Methode, mit der selbst stark zersetzte Holzproben datiert werden können. Die Wissenschaftler untersuchten zwei Eichenarten: die Steineiche auf der Insel Montecristo und die Traubeneiche in den Bergen des Aspromonte. Trotz sehr unterschiedlicher Umgebungen zeigen beide Populationen einen Anstieg ihrer Regeneration zu Beginn der 1400er Jahre, was mit dem demografischen Einbruch durch die Pest zusammenfällt.
Die Radiokarbonmethode erwies sich als unverzichtbar, da viele alte Bäume hohle Stämme oder kaum sichtbare Jahresringe aufweisen. Durch die Messung des radioaktiven Zerfalls von Kohlenstoff konnten die Forscher das genaue Alter kleiner Holzsplitter schätzen. Dieser Ansatz ergab, dass die ältesten Eichen nahezu 950 Jahre alt sind, was sie zu den ältesten Blütenbäumen der gemäßigten Zonen macht. Ihre Größe spiegelt nicht ihr Alter wider: Einige der ältesten wachsen langsam und haben einen bescheidenen Durchmesser.
Die Studie zeigt auch Unterschiede je nach Untersuchungsort. Auf der Insel Montecristo erfolgte die Regeneration schnell, mit einem Höhepunkt der Etablierung innerhalb von weniger als einem Jahrhundert. In den Bergen des Aspromonte war die Rückkehr des Waldes langsamer, wahrscheinlich aufgrund härterer Umweltbedingungen und einer stärkeren vorherigen Verschlechterung.
Diese Ergebnisse bieten eine neue Perspektive auf die Fähigkeit von Wäldern, sich zu regenerieren. Nach Ansicht der Autoren kann die Verringerung menschlicher Aktivitäten eine schnelle Erholung der Waldökosysteme auslösen, wie es nach der Pest geschah. Diese Lehre aus der Vergangenheit ist wertvoll für die aktuellen Maßnahmen zur ökologischen Wiederherstellung und zur Anpassung an den Klimawandel. Geschützte Wälder wirken als natürliche Labore, in denen die Natur wieder ihr Recht einfordert.
Karte der beiden Untersuchungsgebiete und Fotos alter Bäume.
Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences (2026).
DOI: 10.1073/pnas.2529341123
Schließlich erinnert die Entdeckung dieser tausendjährigen Bäume an die Dringlichkeit, sie zu schützen. Die Forscher betonen, dass diese Eichen ein unersetzliches Naturerbe darstellen, das durch globale Veränderungen und invasive Arten wie wilde Ziegen bedroht ist. Schutzmaßnahmen in Verbindung mit gründlicher Forschung sind unerlässlich, um diese stillen Zeugen der Geschichte zu bewahren.
Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences