Adrien - Sonntag 22 März 2026

🌡️ Die Antarktis hat 13.000 km² "verankerten" Eises verloren

Eine umfangreiche Studie, die drei Jahrzehnte umfasst, zeigt, dass sich die meisten Küsten der Antarktis nicht verändern, während einige Gebiete einen dramatischen Rückgang erleben. Wie koexistiert diese allgemeine Stabilität mit massiven Eisverlusten?

Um diese Frage zu klären, haben Glaziologen drei Jahrzehnte satellitengestützter Beobachtungen analysiert. Sie kombinierten Daten zahlreicher Weltraummissionen, darunter solche der Europäischen Weltraumorganisation und kommerzieller Satelliten. Dieser Ansatz ermöglichte es, die erste kontinentale Karte der Bewegungen der Aufsetzlinie zu erstellen, dort, wo das kontinentale Eis auf den Ozean trifft.


Die Ergebnisse, veröffentlicht in den Proceedings of the National Academy of Sciences, zeigen, dass 77 % der antarktischen Küsten seit 1996 stabil geblieben sind. Dennoch hat das Eis in der Westantarktis, auf der Antarktischen Halbinsel und in Teilen der Ostantarktis erheblich an Fläche verloren. Insgesamt sind fast 13.000 Quadratkilometer verankertes Eis verschwunden.


Der markanteste Rückgang betrifft die Gletscher des Amundsenmeeres und der Getz-Region. Beispielsweise hat sich der Pine-Island-Gletscher um 33 Kilometer zurückgezogen und der Thwaites-Gletscher um 26 Kilometer. Wissenschaftler führen diese Veränderungen im Allgemeinen auf warmes Ozeanwasser zurück, das sich unter die Eisschelfe schiebt und sie von unten ausdünnt.

Im Nordosten der Antarktischen Halbinsel bleibt jedoch ein Rätsel. Dort haben sich Gletscher wie Edgeworth oder Hektoria um mehrere Kilometer zurückgezogen, ohne dass warmes Wasser nachgewiesen werden konnte. Die Forscher räumen ein, dass ein anderer Faktor im Spiel ist, haben ihn aber noch nicht identifiziert.

Diese detaillierte Karte der Bewegungen der Aufsetzlinie dient nun als Referenz für Modelle zur Vorhersage des Meeresspiegelanstiegs. Modellierungsteams müssen in der Lage sein, diese drei Jahrzehnte der Beobachtungen zu reproduzieren, um ihre Projektionen zu validieren. Andernfalls müssen sie ihre Annahmen überprüfen.


Entwicklung der Aufsetzlinie der Antarktis zwischen 1992 und 2025.
Die Farben reichen von Schwarz (1992) über Rot bis Weiß (2025). Sie ist einer Karte der Gletschergeschwindigkeit (von Weiß bis Blau) und einem Relief der Antarktis aus dem Jahr 2011 überlagert.
Kreise zeigen Gebiete, in denen sich die Aufsetzlinie zwischen 1996 und 2025 für 31 Regionen zurückgezogen hat. Ihre Farbe geht von Rot zu Weiß über, abhängig von der betroffenen Fläche. Ein Referenzkreis zeigt einen Rückgang von 500 km².


Was ist die Aufsetzlinie?


Die Aufsetzlinie ist die Grenze, an der das kontinentale Eis der Antarktis beginnt, auf dem Ozean zu schwimmen. Sie markiert den Übergang zwischen dem am Grund verankerten Eis und den schwimmenden Eisschelfen. Ihre Position ist ein Schlüsselindikator für die Stabilität der Gletscher.


Wenn sich die Aufsetzlinie zurückzieht, bedeutet dies, dass das Eis seine Verankerung verliert und der Gletscher anfälliger wird. Dieser Rückzug kann zu einer Beschleunigung des Eisflusses in den Ozean führen und so zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen.

Wissenschaftler messen diese Linie mithilfe von Satellitenradars, die Wolken und die polare Dunkelheit durchdringen. Diese Instrumente erfassen subtile Bewegungen des Eises über lange Zeiträume und ermöglichen so eine präzise Kartierung der Veränderungen.

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences
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