Der Ursprung des weltweit am meisten kultivierten halluzinogenen Pilzes erweist sich als weitaus älter als bisher angenommen. Die Entdeckung einer Schwesterart im südlichen Afrika stellt die bisherige Erzählung seiner Evolution auf den Kopf.
Forscher haben nun formell eine bisher unbekannte Art identifiziert, die sie
Psilocybe ochraceocentrata nannten, und die dennoch in den Graslandschaften Südafrikas und Simbabwes gesammelt wurde. Sein Name spielt auf die ockergelbe Farbe in der Mitte seines Huts an.
Der Psilocybe ochraceocentrata wächst auf Rindermist in den Grasländern des südlichen Afrikas.
Bildnachweis: Talan Moult
Genetische Analysen stellen diese Art und den bereits bekannten
Psilocybe cubensis als nahe Verwandte dar, die einen gemeinsamen Vorfahren vor etwa 1,5 Millionen Jahren teilen, und nicht als dieselbe Art. Diese Erkenntnis stellt die Hypothese einer Einführung des Pilzes in Amerika über Vieh vor nur wenigen Jahrhunderten infrage.
Trotz ähnlichen Erscheinungsbilds zeigen die beiden Arten genetische, ökologische und chemische Unterschiede.
Das Team griff auf fortgeschrittene Techniken wie phylogenetische Analyse und ökologische Nischenmodellierung zurück. Es untersuchte DNA aus aktuellen Proben und historischen Referenzsammlungen. Diese Methoden ermöglichten die Rekonstruktion einer evolutionären Linie und die Schätzung des Zeitpunkts der Trennung zwischen den beiden Arten.
Vor über einer Million Jahren förderten Umweltveränderungen wahrscheinlich die getrennte Evolution der beiden Pilze. Die Studie präsentiert ein Szenario, in dem ökologische Gelegenheiten über einen sehr langen Zeitraum zu dieser Aufspaltung führten.
Interessanterweise wird
P. ochraceocentrata seit Jahren weltweit unter den Namen "NSS" oder "Transkei" kultiviert. Er wird von Züchtern und Konsumenten für seine einfache Kultivierung und deutlichen Effekte geschätzt. Die Veröffentlichung in
Proceedings B of the Royal Society verleiht ihm den Status einer eigenständigen Art und klärt eine anhaltende Verwirrung auf, selbst unter Wissenschaftlern.
Diese Entdeckung zeigt auch, dass die afrikanische Pilzvielfalt noch weitgehend unbekannt ist. Die ersten Exemplare dieser Art waren bereits 2013 in Simbabwe gemeldet worden, ohne dass eine formelle Identifizierung folgte. Diese Situation lässt weitere mögliche Enthüllungen über die Evolutionsgeschichte der Pilze in diesem Teil der Welt erahnen.
Quelle: Proceedings B of the Royal Society