Der Atlantische Ozean beherbergt ein riesiges Zirkulationssystem, das wie eine planetarische Wärmepumpe fungiert. Seit fast zwanzig Jahren verliert dieser mächtige Strom an Kraft. Diese Verlangsamung könnte die Wettermuster auf der ganzen Welt neu formen. Wissenschaftler nennen dieses System AMOC. Seine Abschwächung verdient unsere ganze Aufmerksamkeit.
Der AMOC transportiert warmes Wasser aus den Tropen nach Norden und macht Europa milder, als es sonst wäre. Im Nordatlantik kühlt das Wasser ab, wird salziger, sinkt in die Tiefe und fließt zurück nach Süden. Diese „natürliche Perpetuum-Mobile-Bewegung" verteilt die Wärme um den Planeten. Eine Verlangsamung bedeutet, dass weniger Wärme transportiert wird, was das Klima verändern kann.
Wissenschaftler haben lange vorhergesagt, dass die globale Erwärmung diese Zirkulation verlangsamen könnte. Heute bestätigen Beobachtungen, dass der Prozess bereits im Gange ist.
Am Meeresboden entlang des westlichen Atlantiks verankerte Instrumente haben es den Forschern ermöglicht, diese Abschwächung zu erkennen. Diese Geräte maßen Druck, Temperatur und Geschwindigkeit der Strömungen in über 1.000 Metern Tiefe. Die Analyse von Daten mehrerer Standorte, von 16,5°N bis 42,5°N, zeigte einen konsistenten Rückgang der Zirkulation. Dieser Trend ist über eine große Region hinweg deutlich.
Ein schwächerer AMOC könnte erhebliche Folgen haben. In Europa könnten die Winter kälter werden, und in manchen Gebieten könnten Stürme intensiver werden. Die Niederschlagsmuster könnten sich ändern und die Landwirtschaft beeinträchtigen. Entlang der Ostküste der USA könnte der Meeresspiegel schneller ansteigen. Diese Auswirkungen zeigen, wie vernetzt das Klimasystem der Erde ist.
Laut Shane Elipot, einem an der Studie beteiligten physikalischen Ozeanographen, sind diese Messungen ein Frühwarnsignal. „Wir erleben eine großflächige Veränderung, keine vorübergehende Schwankung", sagte er. Diese Überwachung könnte Wissenschaftlern helfen, Klimavorhersagen zu verbessern.
Die Verlangsamung hängt wahrscheinlich mit der Zunahme des Schmelzwassers aus Grönland und den erhöhten Niederschlägen im Nordatlantik zusammen. Das Süßwasser macht die Oberfläche weniger dicht und verringert das Absinken des kalten Wassers, das die Zirkulation antreibt. Mit der fortschreitenden Erwärmung des Klimas dürfte sich dieser Prozess beschleunigen und den AMOC weiter schwächen.
Diese Studie, veröffentlicht in
Science Advances, liefert einen der stärksten direkten Beweise für eine langfristige Verlangsamung. Sie verstärkt die Befürchtungen, dass der AMOC in Zukunft einen Kipppunkt erreichen könnte.
Quelle: Science Advances