Die Geburt eines Planetensystems in Echtzeit zu beobachten, ist ein außergewöhnliches Schauspiel, das zum ersten Mal von einem Astronomenteam geboten wird.
Ihre Instrumente haben zwei Planeten eingefangen, die sich gerade um den jungen Stern WISPIT 2 bilden. Diese Beobachtung katapultiert uns mehr als 4 Milliarden Jahre in die Vergangenheit, in die Zeit, als unser eigenes Sonnensystem entstand, und gibt uns einen Einblick in unseren eigenen Ursprung.
Der junge Stern WISPIT 2, gesehen vom VLT, mit dunklen Räumen in der protoplanetaren Scheibe, die die Protoplaneten anzeigen.
Bildnachweis: ESO/C. Lawlor, R. F. van Capelleveen et al.
Der 437 Lichtjahre entfernte Stern WISPIT 2 ist nur 5,4 Millionen Jahre alt, was ihn etwa tausendmal jünger als unsere Sonne macht. Um ihn rotiert eine dicke Scheibe aus Gas und Staub, eine sogenannte protoplanetare Scheibe, die als wahre Kinderstube für neue Welten fungiert. In dieser ringförmigen Struktur ballt sich Materie allmählich zusammen, um Planeten zu bilden – ein Phänomen, das von Modellen beschrieben, aber selten direkt beobachtet wird.
In dieser Scheibe haben die Forscher zwei Planeten identifiziert, die WISPIT 2b und WISPIT 2c genannt werden. Der erste, bereits letztes Jahr entdeckt, besitzt eine fünffache Jupitermasse und bewegt sich auf einer Umlaufbahn sehr weit von seinem Stern entfernt. Der zweite, näher gelegene, wurde kürzlich durch sehr präzise Beobachtungen bestätigt. Diese Himmelskörper wachsen noch, ziehen Materie in ihrer Umgebung an und graben deutliche Furchen in die Scheibe, was ihre aktive Bildung verrät.
Um diese Planeten aufzuspüren, nutzten die Astronomen das Very Large Telescope (VLT) und seine hochmodernen Instrumente wie SPHERE und GRAVITY+. Diese Werkzeuge können sehr lichtschwache Objekte erkennen, die im Glanz der Scheibe verborgen sind, indem sie deren gravitativen Einfluss nachweisen und detaillierte Bilder liefern. Eine kürzliche Verbesserung von GRAVITY+ war entscheidend, um die Anwesenheit von WISPIT 2c, der näher am Stern liegt als sein Begleiter, zu bestätigen.
Der junge Stern WISPIT 2, gesehen vom VLT, mit zwei sich bildenden Protoplaneten.
Bildnachweis: ESO/C. Lawlor, R. F. van Capelleveen et al.
Die Umlaufbahnen dieser Planeten formen leere Räume in der Scheibe, ein Zeichen ihres aktiven Wachstums. Zudem lässt ein weniger ausgeprägter Raum auf die Existenz eines dritten, weiter entfernten Planeten schließen, den zukünftige Teleskope wie das Extremely Large Telescope (ELT) identifizieren könnten. Laut den Forschern könnte dieser Planetenkandidat eine mit Saturn vergleichbare Masse haben.
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The Astrophysical Journal Letters, bietet diese Studie einen privilegierten Einblick in die Mechanismen der Planetenentstehung. Sie gibt einen Eindruck davon, wie Systeme wie das unsere aus ähnlichen Scheiben hervorgegangen sein könnten. Mit den nächsten Teleskopgenerationen rechnen Astronomen mit einer Vielzahl solcher direkter Beobachtungen.
Quelle: The Astrophysical Journal Letters