Adrien - Montag 4 Mai 2026

🔊 Beliebte Antidepressiva könnten Tinnitus verursachen

Wissenschaftler haben gerade einen direkten Zusammenhang zwischen Serotonin, dieser chemischen Substanz im Gehirn, die von Antidepressiva angegriffen wird, und dem Auftreten von Ohrgeräuschen, auch Tinnitus genannt, entdeckt, von dem Millionen von Menschen betroffen sind.

Tinnitus äußert sich durch anhaltende Pfeif- oder Brummgeräusche ohne externe Schallquelle. Für manche ist es eine vorübergehende Störung, für andere kann es zu einem echten Leiden werden, verbunden mit Angstzuständen und Schlafstörungen. Etwa 14 % der Weltbevölkerung sollen darunter leiden, oft ohne wirksame Lösung. Der Zusammenhang mit bestimmten psychiatrischen Medikamenten wurde schon lange vermutet, aber ohne klare Erklärung.


Forscher der Oregon Health & Science University (OHSU) und der Universität Anhui in China untersuchten diesen Zusammenhang mit Mäusen. Indem sie die Serotoninwerte in ihrem Gehirn künstlich erhöhten, beobachteten sie, dass die Tiere typische Tinnitus-Verhaltensweisen zeigten. Laurence Trussell, Koautor der Studie, gibt an, dass diese Beobachtung die Hypothese einer direkten Rolle von Serotonin bei der Auslösung dieser phantomhaften Hörwahrnehmungen bestätigt.


Der identifizierte Mechanismus umfasst eine spezifische neuronale Schaltung, die die Serotonin produzierenden Neuronen direkt mit dem Hörsystem verbindet. Durch die Aktivierung dieser Schaltung mit einer Technik namens Optogenetik konnten die Forscher bei Mäusen Tinnitus-Symptome reproduzieren. Zheng-Quan Tang, ein weiterer Koautor, erklärt, dass die Entdeckung dieser direkten Verbindung endlich einen lange unklaren Mechanismus aufklärt. Das Ausschalten dieser Schaltung konnte die Symptome signifikant reduzieren.

Diese Ergebnisse stimmen mit Berichten von Patienten unter Antidepressiva der Klasse der SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) überein, die manchmal eine Verschlimmerung ihres Tinnitus berichten. Die im Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie zeigt ein empfindliches Gleichgewicht zwischen den positiven Wirkungen von Antidepressiva und ihren unerwünschten auditiven Folgen.

Die Wissenschaftler erwägen die Entwicklung von Medikamenten, die gezielt auf bestimmte Gehirnregionen wirken, um die antidepressiven Effekte zu erhalten, während die Aktivierung der Hörbereiche vermieden wird. Dieser Ansatz könnte einen neuen therapeutischen Weg für Menschen bieten, die sowohl an Depressionen als auch an Tinnitus leiden, zwei beeinträchtigenden Erkrankungen, die die Lebensqualität tiefgreifend beeinflussen.

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences
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